Unvollkommenheit

Auf unsere Unvollkommenheit – unsere Schönheit. In einer Zeit, in der die KI unsere Leistungen optimieren, uns noch effizienter arbeiten lassen kann, schneller, genauer, wie es Maschinen nur können, möchte ich unsere menschliche Intelligenz in den Mittelpunkt stellen. Die KI kann Musik komponieren, mathematische Aufgaben lösen, Krankheiten diagnostizieren und vieles mehr. Aber sie zeigt uns auch nun noch deutlicher den Wert von menschlicher Intelligenz. Vielleicht ist die wichtigste Aufgabe der KI, dass sie uns lernt: Das Menschliche zu schätzen. Das uns erst mit unserem Unvollkommenen wahrhaft vollkommen macht.

Das Menschsein, das keine KI ersetzen kann, unterstreicht erst unsere Schönheit. Wir sind keine minderwertigen Computer, nein. Wir glänzen durch das menschliche Geheimnis, das in unserer Unvollkommenheit versteckt ist. Das wir nicht durch Optimierung ergründen können, nicht durch Leistung.  Erst durch den Weg durch unsere Unvollkommenheit, den wir selbst durchschreiten müssen, werden wir menschlich. Er wird zur Quelle von Kreativität, Humor, Liebe, Schönheit, Empathie, Mitgefühl. Menschliche Schönheit erwächst aus dem Meistern von herausfordernden Erfahrungen, durch unser inneres Ringen, Kämpfen, das uns von einem Wissen zum Können führt.  Das, was repariert wird, wächst, gerade an diesen Stellen zu seiner Stärke. Unvollkommenheit ist kein Fehler, den es gilt wegzumachen. Ein sinnvolles Leben kennt Scheitern, Chaos, Emotionalität, Neuanfänge. Blaise Pascal hat geschrieben: Der Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. Und wahrscheinlich müssen wir sie nicht mit dem Verstand verstehen, sondern sie „lieben“ lernen, bis sie uns aus Vertrautheit ihre tiefe Weisheit anvertrauen. Die Menschen, die uns am meisten geprägt haben, waren nicht die verstandesmäßig klügsten, sondern die menschlichsten.

Eine Maschine kann die Traurigkeit beschreiben, aber sie kann nicht beim Abschied nehmen weinen. Eine Maschine kann eine Blume beschreiben, aber sie kennt nicht ihren zauberhaften Duft. Sie kann Angst beschreiben, aber kennt nicht das Gefühl der Sorge, wenn wir nachts auf das Heimkommen unseres Kindes warten.

Diese Erfahrungen, diese können wir nicht mit Maschinen teilen – sie haben sie nicht erlebt. In solchen Situationen suchen wir oft Menschen, um sie teilhaben zu lassen an unseren Erlebnissen, um ihnen nahe zu sein. Wir möchten Verbundenheit erleben oder Trost erfahren, dadurch, dass sie ähnliche Situationen kennen oder durchlebt haben, so wie wir. Im Kern ist unser Leben von Beziehung geprägt. Wir werden ein Mensch durch die Beziehung mit anderen. Wir erfahren Moral, Gewissen, Würde durch unser Menschsein. Vielleicht regt uns die KI an, noch menschlicher zu werden. Das Menschsein noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Unsere Unvollkommenheit ist eine Kunst, sie ist eine Schönheit, wie nur ein Herz sie wahrnehmen kann. Vielleicht wird gerade durch die KI unsere Gabe des Menschseins nun noch sichtbarer!

10.6.26

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