Fasten

Heute als ich in der Messe saß, habe ich dieses Wort „Fasten“ tiefer in mich sinken lassen. Ich bin der Frage nachgegangen, was es für mich bedeutet zu fasten?
…… Es wirklich zu tun, ist ein Geschenk für mich, es unterbricht den alltäglichen Ablauf – das so dahinlaufen im Trott. Aber ich kann, muss nicht, mich daran halten, was ich mir vorgenommen habe, mich davon innehalten lassen und neu weiter gehen mit etwas weniger, sei es Essen oder Konsum oder sonst etwas.
An diesem weniger von etwas, an dem Verzicht begeistert mich der neue Raum, den ich plötzlich entdecke. Es wirkt etwas Neues. Ich merke meine Sehnsucht nach Leere, die jedoch nicht wirklich leer ist, sondern erfüllt mit Fülle, mit mehr Begegnung mit mir, mit Gott, mit Stille, mit Ruhe. Das Loslassen von etwas, birgt immer, oft wirklich erst auf den zweiten Blick, ein Geschenk.
Als ich so nachsinierte, fiel mir ein, dass das Verzichten mich mental stärkt, etwas durchzuhalten, was zu Beginn vielleicht gar nicht so einfach ist. Ich lerne Begierden in Zaum zu halten, sie überhaupt erst wahrzunehmen. Oft weiß ich gar nicht, wie sehr ich etwas begehre, wenn ich nicht versucht habe, es eine Zeit lang wegzulassen. Manchmal erkenne ich erst durch das „Lassen“ für eine Zeit, wie wichtig mir etwas ist. Das Fasten kann mir Bedeutsamkeiten wieder in den Blick rücken.
Das Leben in Abschnitte zu teilen von davor und danach, vor und nach der Fastenzeit, kam mich lehren behutsamer zu schauen auf das danach. Es schärft vielleicht wieder meine Sinne, meine Bedachtsamkeit, wenn ich mich geübt habe zu verzichten. Jede Übung ist nie umsonst, wenn ich mich ernsthaft darauf einlasse. Für mich bringt der Verzicht auch etwas ins Fließen, das vielleicht schon erstarrt war, zugestopft. Ich denke da an das Bild einer Hand, die etwas loslässt, es geht die Bewegung einer öffnenden Hand damit einher. Eine Hand, die übt zu vertrauen.
Je mehr im außen die materielle Fülle zunimmt, desto mehr sind wir aufgerufen verzichten zu lernen. Der, der viel braucht, läuft in Gefahr innerlich leer zu werden oder schon zu sein. So leben wir nur in einer scheinbaren Fülle, die in Wahrheit unser Innerstes bedroht. Wenn wir uns einlassen auf die äußere Bewegung des Fastens, dann können wir damit eine innere Bewegung in Gang bringen. So kann Fasten ein wunderbares Erlebnis werden – eine Reise mit sich näher in Kontakt zu kommen.

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