Auf der Suche nach dem Schatz

Schnell beeile ich mich, ein paar Apfelstücke in die kleine Jausenbox zu packen. Heute bin ich an der Reihe, diesen Schatz im Wald zu verstecken. Dann gehe ich los, um einen geeigneten, nicht leicht auffindbaren Platz für diese vermeintliche Schatzkiste zu finden. Das ist Teil unseres neuen Spiels, das wir seit der Corona Krise als tägliches Ritual eingeführt haben. Gleich nach dem Mittagessen und allen erledigten Schulaufgaben marschieren wir als Familie los. Davor habe ich noch für meine Schatzsucher einen detaillierten Plan gezeichnet, mit dessen Hilfe es möglich sein sollte, diese Kostbarkeit zu finden. Nachdem meine Familie bereits fertig und warm angezogen vor dem Haus steht, warten sie darauf, endlich den Plan zum Lesen und Orientieren zu bekommen. Wer weiß als Erster welche Richtung eingeschlagen werden muss? Es geht los. Sie sind sich einig. Alle sind sehr heiter und freuen sich auf diese Aufgabe. Morgen ist ein anderes Familienmitglied an der Reihe, einen besonderen Platz für den Schatz zu finden. Von Tag zu Tag werden die Verstecke ausgeklügelter. Die Pläne werden zunehmend detaillierter. Auch die Schätze beginnen sich zu verwandeln. Da Fastenzeit ist, ist es nicht angebracht, dass Süßigkeiten in die Schatzkiste wandern. Nüsse, Obst bis zu besonderen Steinen, sind nur einige der besonderen Ideen, die im Anschluss zur Belohnung an die Schatzsucher verteilt werden. Was Schatzkarten so verraten? Es werden total unterschiedliche Arten von Skizzen gezeichnet. Einige sind sehr detailreich, andere schematisch, manche sehr bunt. „7 m entfernt von einem Baumstamm.“, kann wunderbare unterschiedliche Ergebnisse liefern. 7 Riesenschritte landen woanders als 7 kleine, leicht schräg ausgeführte. 

Die Natur liefert wunderbare Versteckplätze. Es ist eine herrliche Überraschung, an welche wunderbaren Plätze wird dadurch geführt werden oder vorbeikommen. Wir überqueren kleine Bäche, klettern steile Hänge hinauf, finden vermeintliche weiche Schlafplätze von Tieren, die einen herrlichen Ausblick bieten. Nachdem uns gelungen ist, die markierten Stellen auf der Landkarte richtig zu identifizieren und wir den Schatz dann endlich in Händen halten, wird die Kostbarkeit an alle gerecht verteilt. „Yeah, wir haben ihn!“, hört man uns freudig rufen. Nicht nur einmal glaubten wir ihn bereits entdeckt zu haben, fanden jedoch in der Dose nur eine weitere Beschreibung, wohin die Suche uns noch führen soll. Die Spannung bleibt aufrecht…..

Was ist für mich und uns so kostbar an dieser Beschäftigung? Es ist nicht nur das Suchen und Finden – es ist alles. Das konzentrierte Zeichnen, das Lächeln, das bewusste Gehen, die Spannung, die Freude, das erfüllte Herz. Ich spüre eine Einheit zwischen uns als Familie und auch eine große Verbundenheit mit der wundervollen uns umgebenden Natur. Das Zwitschern der Vögel, der Kontakt mit dem Boden, das Tanzen der Äste im Wind, das Rascheln der Zweige, die wandernden Wolken am Himmel, das Knistern des Waldbodens, das Berührt sein von meinen Lieben und der Umgebung.

Wir haben ein Ritual gefunden, das jeden in unserer Familie große Freude macht. Es ist uns gelungen, es mit Leben zu füllen und das Finden zu feiern. Jeden Schritt, den wir dabei ausführen, machen wir mit vollem Bewusstsein, das Zeichnen, das Gehen, das Erkunden der Orte. Wir haben es zu etwas Bedeutungsvollem für unsere Familie gemacht. In der Einfachheit steckt so viel Schönheit, wenn wir es aus unserem Herzen tun. Es liegt in unserer Hand, Momente des Lebens zu feiern. Wenn unser Herz erfüllt ist, läuft eine sichtbare Verbindung zu unserem Gesicht und wir lächeln. Ein äußerer Wandel geschieht und wenn wir wollen, können wir diesen auch zu unserem inneren Wandel machen. Lassen wir uns überraschen, welcher Veränderung wir noch begegnen. Wir sind bereit zu suchen und uns selbst immer im Herzen zu finden, auf diesem Weg sogar auch ohne Plan.

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